Wir sind Jugendterror und Gemüsehändler

by cominsitu

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Demonstranten verhindern Sarrazin-Veranstaltung

TUMULT IM BERLINER ENSEMBLE – 02.03.2014

(berliner-zeitung)

Eigentlich sollte Thilo Sarrazin am Sonntagvormittag im Berliner Ensemble auftreten. Doch daraus wurde nichts, weil Demonstranten den Saal besetzten und Sprüche wie “Sarrazin raus, das ist unser Haus” skandierten. Sarrazin wirft der Theaterleitung Versagen vor.

Demonstranten haben eine Lesung des umstrittenen Autors Thilo Sarrazin im Berliner Ensemble verhindert. Schon als Sarrazin den Veranstaltungssaal betrat, stand eine Gruppe von zumeist migrantischen Demonstranten auf und hielt Plakate in die Höhe: „Wir sind Kopftuchmädchen“ oder „Wir schaffen Deutschland ab“, stand darauf, eine Anspielung auf Sarrazins früheres Buch „Deutschland schafft sich ab“, das nicht nur unter Migranten viel Unmut erzeugt hat.

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Sarrazin, der nun sein neues Buch „Der neue Tugendterror“ vorstellen wollte, wurde lautstark als „Rassist“ beschimpft und mit Buhrufen bedacht. Es kam zu Handgreiflichkeiten und Wortduellen mit meist schon älteren Zuhörern, die gekommen waren, um Sarrazin zu hören. Vereinzelt wurden den Protestierern die Plakate zerrissen, man schrie sich an unter Kronleuchtern.

Jutta Ferbers, Mitglied der Leitung des Berliner Ensembles, mahnte zur Ruhe. Schließlich gewährte sie einer Demonstrantin Rederecht, abgesprochen sei, dass alle Protestierer dann gehen, sagte sie. Die junge Demonstrantin trug ein T-Shirt mit der Aufschrift „Wir sind Jugendterror und Gemüsehändler“ stand. Sie bezichtigte Sarrazin einer rassistischen Ideologie.

Als sie abtrat, stellte sich heraus, dass die Demonstranten, die meist dem Migrantenverein „Allmende“ angehörten, keineswegs den Saal verlassen wollten. Daraufhin drohte Jutta Ferbers als Hausherrin damit, „die starken Männer“ zu holen, also die Polizei. Die Situation eskalierte erneut. Mehrere Gäste und Demonstranten schrien sich an, es gab weitere Rangeleien, Papierkügelchen flogen.

Gegenseitig warf man sich „Faschismus“ oder „Linksfaschismus“ vor. Nach einer langen Phase des Wartens erklärte Ferbers schließlich, dass das Berliner Ensemble einen Polizeieinsatz nun doch nicht zulassen werde. „Gewalt dulden wir in unserem Hause nicht“, erklärte Ferbers. „Wir beugen uns also dem Meinungsterror.“

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Offenbar hatte sie das mit BE-Intendant Claus Peymann abgesprochen. Sarrazin und die anwesenden Cicero-Journalisten, die das Podium darstellten, reagierten verärgert. Schließlich war das ihre Veranstaltung. Ferbers forderte daraufhin sogar Sarrazin mehrfach auf, das Podium zu verlassen. Dieser wollte das zunächst nicht tun. „Das Berliner Ensemble weigert sich, das Hausrecht gegenüber Linksfaschisten auszuüben“, sagte Sarrazin. Das sei ein umfassendes Versagen der Leitung des Hauses und bedürfe keines weiteren Kommentars.

Schließlich verließ er doch den Saal, woraufhin Mitglieder der Antifa das Podium erstürmten. Draußen posierte später die Migrantengruppe Allmende mit Victory-Zeichen. Vor dem Haus hatten zudem gut 100 Demonstranten hinter einer Polizeiabsperrung demonstriert. Die Besucher der Veranstaltung sollen nun ihr Geld zurückerhalten, womöglich wird es aber eine Veranstaltung an einem anderen Ort geben.

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