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Radio-Feature: Die Hippie-Hools vom Gezi-Park

Anlässlich des zweiten Jahrestages von Occupy Gezi das Radio-Feature Die Hippie-Hools vom Gezi-Park von Ralf Heck, James Steen und Bob Dilan für footballuprising.

Das Feature kann man auch hier direkt anhören, ohne Soundcloud.

D 2015 –  footballuprising – 14 Min.

08. Juni 2013 – Zehntausende Fußballfans der unterschiedlichen Klubs schließen sich dem Aufstand in der Türkei an: Die Supportergruppe Çarşı von Beşiktaş Istanbul vereinte sie in einer Demonstration gegen das Erdoğan-Regime – der größten, die während des Gezi-Park-Aufstandes stattfand. Gegenwärtig sitzen 35 Mitglieder von Çarşı auf der Anklagebank aufgrund ihrer Beteiligung an der Revolte im Sommer 2013. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen Bildung einer kriminellen Vereinigung und Putschversuch vor. Lebenslänglich Knast droht ihnen bei einer Verurteilung. Doch welche Rolle spielte Çarşı bei den Protesten? Wie ticken ihre Mitglieder? Wurde der Aufstand einzig von einer brutal agierenden Polizei niedergeschlagen oder scheiterte er nicht vielmehr auch an den inneren Widersprüchen der Bewegung? Diese und noch weitere Antworten liefert das folgende Feature.

Football Uprising

Football Uprising is a new blog on football, ultras, politics and revolution by Ralf Heck. It has a ton of resources, articles, links, photos and videos on ultras in Egypt, Turkey, Germany, Spain, UK and more. Check it out NOW, you leberwursts.

istanbulunited

ABOUT: Im letzten Zyklus der Kämpfe betrat eine deutlich wahrnehmbare neue Kraft die Bühne der Revolte: Die Beteiligung organisierter Fußballfans an den derzeit weltweit statt findenden Protesten, Riots und Aufständen ist unübersehbar. Die Supportergruppe Çarşı von Besiktas organisierte im letzten Sommer die ersten Nachbarschafts-Versammlungen in den Istanbuler Stadtteilen, war während der Gezi-Park-Besetzung sehr aktiv und kämpfte somit nicht nur in dem ihr zugetrauten Sinne an vorderster Front gegen das Erdoğan-Regime. Schon beim Dezember-Aufstand in Griechenland 2008, ausgelöst durch einen von der Polizei erschossenen Schüler, waren Fußballfans an den massiven Riots beteiligt wie auch bei jenen kürzlich in Portugal, Spanien sowie auch Bosnien-Herzegowina. Die Ultras von Hapoel Tel Aviv beteiligten sich an den Occupy-Protesten in Israel 2011/12 und selbst größten Fußballhassern dürfte es nicht verborgen geblieben sein, dass nordafrikanische Ultragruppen einen erheblichen Anteil an den militanten Auseinandersetzungen – und nicht nur an ihnen – während des sogenannten arabischen Frühlings hatten und immer noch haben – allen voran die Ultras White Knights sowie Ahlawy. Der Betreiber des Blogs The Turbulent World of Middle East Soccer, James M. Dorsey, meint, dass „die Ultras eine Schlüsselrolle bei der Überwindung der ‚Barrikade der Angst‘ gespielt [haben] […] Ihre Anziehungskraft auf desillusionierte Jugendliche ist enorm. Wir sprechen von der zweit- oder drittgrößten Bürgerbewegung Ägyptens mit zehntausenden Mitgliedern.“

1:1 Die organisierten Fußballfans befinden sich im Spannungsverhältnis zwischen Eigentor und Aufstand: In der Zukunft wird sich noch herauskristallisieren, ob die Ultras fähig sein werden, die in einer überwiegend maskulin-geprägten Gemeinschaft ausgelebten Identität als Fußballfans ihres Vereins und Liebhaber ihrer Stadt und die damit verbundenen Freund-/Feind-Schemata auch längerfristig zu überwinden. Da ihre gesamte Identität auf einem alternativen Konzept der Lebensführung aufbaut – ideologisch legitimiert durch die sagenumwobenen Ultra-Werte und habituell von einem Hauch der Subversion umgeben – würde diese Transformation allerdings kaum weniger bedeuten können, als die Aufhebung genau dieses Ultra-Daseins. Spielabbruch durch Platzsturm und Beginn der dritten Halbzeit

Wir hoffen auf einen regen Austausch und spannende Diskussionen mit allen an Fußball-Fankultur Interessierten, die dazu beitragen wollen, der ganzen alten Scheiße (Marx) ein möglichst baldiges Ende zu bereiten.

Ralf Heck für footballuprising, Oktober 2014

After Gezi: Erdoğan And Political Struggle In Turkey

Political struggles over the future of Turkey have left the country profoundly divided. Former Prime Minister, now President, Tayyip Erdogan, has fueled growing polarization through his authoritarian response to protests, his large-scale urban development projects, his religious social conservatism, and most recently, through his complicity in the Islamic State’s war against the Kurdish people in Northern Syria.

In the year after the Gezi uprising, protests continue against the government’s urban redevelopment plans, against police repression, in response to repression of the Kurdish and Alevi populations, and in honor of the martyrs that lost their lives in the uprising. Most recently, angry protests and riots have spread across the country in solidarity with the Kurdish People’s Protection Units fighting against the Islamic State in Kobanê, Rojava. This film chronicles a year of uprisings, resistance and repression since the Gezi uprising in Turkey.

Istanbul’s Gentrification Wars

The mass protests surrounding Gezi Park, the corruption scandals, the Soma mining accident—none of these incidents will stop the majority of Turkish citizens from electing Recep Tayyip Erdogan as president. Among other things, this means that ambitious development projects and the AKP party’s controversial policies will likely multiply.

Last year’s Gezi uprising was sparked by a government project to transform the park in central Istanbul into a gigantic mall. While a relentless police crackdown has led many of last year’s protesters to abandon hope, the problems at the heart of Erdogan’s vision for Turkey’s urban development have not gone away. People directly affected by the development of certain neighborhoods are often left with only two options: to abandon hope or to fight.

One group that has decided to take the fight to the government is the Revolutionary People’s Liberation Front, or DHKP/C. This extreme-left party—which is labeled a terrorist organization by the EU—is entrenched in many of the disenfranchised neighborhoods that have become targets for ruthless urban development. To stave off the forced relocation of inhabitants, the DKHP/C militants are prepared to combat not only the police, but also violent drug gangs that terrorize their neighborhoods, which they believe are collaborating with the state.