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Zwischen Eigentor und Aufstand: Ultras in den gegenwärtigen Revolten

Al Ahly Soccer Fans Celebrate After Port Said Football Massacre Defendants Sentenced To Death

In the last cycle of struggles, a new force entered onstage: organized football fans took part in unrest across the globe, from the Greek uprising of 2008 to the social movements in Portugal, Occupy in Spain and protests in Israel during 2011/12, from the Gezi Park revolt in Istanbul in the summer of 2013 to the riots in Bosnia-Herzegovina in 2014. And even the biggest football haters can’t ignore the fact that the ultra groups of North Africa played a significant part in the so-called Arab Spring. An observer goes so far as to claim that the ultras “played a key role in overturning the ‘barricades of fear’ (…) Their appeal to disillusioned teenagers is enormous. We’re talking about the second or third largest citizens movement of Egypt, with tens of thousands of members.” The following text attempts to explain how this often, at best, completely apolitical or rather commercially-dependent actor could arise, and how to judge their effects in the class struggle. For if it’s true that we are currently on the threshold of a new era, then parts of this milieu will surely play a role in the coming revolts. Nothing is further from our minds than ascribing a central role to the Ultra-movement, whether in the current or coming insurrections. Focusing on a supposedly more revolutionary type according to one’s political stripe, be it the mass worker, part-timer, woman or immigrant, has always been just as questionable as the insistence on a predetermined location for revolt. All areas of social life that bring together wage-earners can develop into zones of struggle, regardless of whether these are neighborhoods, soup kitchens, factories, or even football stadiums…[translated excerpt from “Ultras in the Contemporary Revolts” by Kosmoprolet, 2015]

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Football Uprising

Football Uprising is a new blog on football, ultras, politics and revolution by Ralf Heck. It has a ton of resources, articles, links, photos and videos on ultras in Egypt, Turkey, Germany, Spain, UK and more. Check it out NOW, you leberwursts.

istanbulunited

ABOUT: Im letzten Zyklus der Kämpfe betrat eine deutlich wahrnehmbare neue Kraft die Bühne der Revolte: Die Beteiligung organisierter Fußballfans an den derzeit weltweit statt findenden Protesten, Riots und Aufständen ist unübersehbar. Die Supportergruppe Çarşı von Besiktas organisierte im letzten Sommer die ersten Nachbarschafts-Versammlungen in den Istanbuler Stadtteilen, war während der Gezi-Park-Besetzung sehr aktiv und kämpfte somit nicht nur in dem ihr zugetrauten Sinne an vorderster Front gegen das Erdoğan-Regime. Schon beim Dezember-Aufstand in Griechenland 2008, ausgelöst durch einen von der Polizei erschossenen Schüler, waren Fußballfans an den massiven Riots beteiligt wie auch bei jenen kürzlich in Portugal, Spanien sowie auch Bosnien-Herzegowina. Die Ultras von Hapoel Tel Aviv beteiligten sich an den Occupy-Protesten in Israel 2011/12 und selbst größten Fußballhassern dürfte es nicht verborgen geblieben sein, dass nordafrikanische Ultragruppen einen erheblichen Anteil an den militanten Auseinandersetzungen – und nicht nur an ihnen – während des sogenannten arabischen Frühlings hatten und immer noch haben – allen voran die Ultras White Knights sowie Ahlawy. Der Betreiber des Blogs The Turbulent World of Middle East Soccer, James M. Dorsey, meint, dass „die Ultras eine Schlüsselrolle bei der Überwindung der ‚Barrikade der Angst‘ gespielt [haben] […] Ihre Anziehungskraft auf desillusionierte Jugendliche ist enorm. Wir sprechen von der zweit- oder drittgrößten Bürgerbewegung Ägyptens mit zehntausenden Mitgliedern.“

1:1 Die organisierten Fußballfans befinden sich im Spannungsverhältnis zwischen Eigentor und Aufstand: In der Zukunft wird sich noch herauskristallisieren, ob die Ultras fähig sein werden, die in einer überwiegend maskulin-geprägten Gemeinschaft ausgelebten Identität als Fußballfans ihres Vereins und Liebhaber ihrer Stadt und die damit verbundenen Freund-/Feind-Schemata auch längerfristig zu überwinden. Da ihre gesamte Identität auf einem alternativen Konzept der Lebensführung aufbaut – ideologisch legitimiert durch die sagenumwobenen Ultra-Werte und habituell von einem Hauch der Subversion umgeben – würde diese Transformation allerdings kaum weniger bedeuten können, als die Aufhebung genau dieses Ultra-Daseins. Spielabbruch durch Platzsturm und Beginn der dritten Halbzeit

Wir hoffen auf einen regen Austausch und spannende Diskussionen mit allen an Fußball-Fankultur Interessierten, die dazu beitragen wollen, der ganzen alten Scheiße (Marx) ein möglichst baldiges Ende zu bereiten.

Ralf Heck für footballuprising, Oktober 2014