communists in situ

leberwurst proletariat

Tag: kommunismus

Umrisse der Weltcommune

kosmo

Von Freundinnen und Freunde der klassenlosen Gesellschaft, 2018 – Kosmoprolet #5

1. Nachdem die Möglichkeit einer anderen Welt lange Jahre fast nur noch in Botschaften aus dem lakandonischen Urwald oder von Leuten behauptet wurde, die darunter kaum mehr verstehen als die Einführung einer Finanzmarktsteuer, hat sich das Bild angesichts der schweren Weltmarktgewitter seit 2008 verändert. Entwürfe einer postkapitalistischen Gesellschaft entstehen seither zuhauf und schaffen es mit etwas Glück sogar auf die Bestsellerlisten. Auch Radikale denken wieder vermehrt darüber nach, wie es anders sein könnte. Allerdings gilt für alle derzeit diskutierten Alternativen, dass sie eher am Schreibtisch ausgebrütet als auf der Straße erfunden wurden. Von den Kämpfen der vergangenen Jahre – sei es der arabische Frühling, die Occupy-Bewegung oder das Aufbegehren gegen das neue Massenelend in Südeuropa – sind sie vor allem negativ geprägt. Weniger deshalb, weil diese Kämpfe auf ganzer Linie gescheitert sind. Weitgehend außerhalb der Produktion angesiedelt und auf die Realisierung »echter Demokratie« gepolt, haben sie die Frage nach einer anderen Gesellschaft nicht wirklich aufgeworfen.

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Abschied von der Klassenmetaphysik

call-center

Formwandel der Klassengesellschaft, Paralyse der Kritik. 

„In die gleichen Ströme steigen wir und steigen wir nicht; wir sind es und wir sind es nicht“ (Heraklit)

  1. Der Abschied vom Proletariat

1980 erschien in Frankreich ein Buch mit dem programmatischen Titel Adieu au prolétariat, zu Deutsch: Abschied vom Proletariat.[1] Sein Verfasser, André Gorz, traf damit den Geist der Zeit. Denn die Verabschiedung alter marxistischer Gewissheiten hatte zum Zeitpunkt der Veröffentlichung bereits seit einigen Jahren Konjunktur unter Linksintellektuellen verschiedener Provenienz. Neben dem einschlägigen Frontalangriff des Poststrukturalismus auf Subjekt, Geschichte und Emanzipation entstehen auch verschiedene Versuche einer Erneuerung des Marxismus, die diesen modernisieren wollen, ohne das Kind mit dem Bade auszuschütten. Ob es sich dabei um den libertären Ökosozialismus André Gorz‘ oder den linken Populismus von Ernesto Laclau und Chantal Mouffe handelt – das verbindende Moment dieser und weiterer durchaus heterogener Revisionen war eben jener Rückzug von der Klasse, wie die amerikanische Historikerin Ellen Meiksins Wood bereits 1986 feststellte.[2]

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