Abschied von der Klassenmetaphysik

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Formwandel der Klassengesellschaft, Paralyse der Kritik. 

„In die gleichen Ströme steigen wir und steigen wir nicht; wir sind es und wir sind es nicht“ (Heraklit)

  1. Der Abschied vom Proletariat

1980 erschien in Frankreich ein Buch mit dem programmatischen Titel Adieu au prolétariat, zu Deutsch: Abschied vom Proletariat.[1] Sein Verfasser, André Gorz, traf damit den Geist der Zeit. Denn die Verabschiedung alter marxistischer Gewissheiten hatte zum Zeitpunkt der Veröffentlichung bereits seit einigen Jahren Konjunktur unter Linksintellektuellen verschiedener Provenienz. Neben dem einschlägigen Frontalangriff des Poststrukturalismus auf Subjekt, Geschichte und Emanzipation entstehen auch verschiedene Versuche einer Erneuerung des Marxismus, die diesen modernisieren wollen, ohne das Kind mit dem Bade auszuschütten. Ob es sich dabei um den libertären Ökosozialismus André Gorz‘ oder den linken Populismus von Ernesto Laclau und Chantal Mouffe handelt – das verbindende Moment dieser und weiterer durchaus heterogener Revisionen war eben jener Rückzug von der Klasse, wie die amerikanische Historikerin Ellen Meiksins Wood bereits 1986 feststellte.[2]

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